Catechine im Überblick
- Definition: Catechine sind eine Untergruppe der Flavonoide (Polyphenole) und die dominierende Wirkstoffklasse in unoxidiertem Tee.
- Herkunft des Namens: Der Begriff stammt von „Catechu", dem Extrakt der Gerber-Akazie (Acacia catechu) – nicht von Tee, auch wenn Catechine dort ihre bekannteste Quelle haben.
- Hauptvertreter: Die vier wichtigsten Catechine im Tee sind EC, ECG, EGC und EGCG – Letzteres macht oft 50 bis 80 % des gesamten Catechingehalts aus.
- Vorkommen: Grüner und weißer Tee enthalten die meisten Catechine, da sie unoxidiert bleiben – vor allem feine Sorten wie Sencha, Gyokuro oder Matcha.
- Geschmack: Catechine sorgen für Bitterkeit und Adstringenz – das leicht zusammenziehende Mundgefühl, das grünen Tee so charakteristisch macht.
- Wirkung: Catechine gelten als eine der am intensivsten erforschten antioxidativen Substanzgruppen – konkrete Effekte werden weiterhin wissenschaftlich untersucht.
Definition
Was sind Catechine? Catechine sind natürliche Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Flavonoide, einer Untergruppe der Polyphenole. Sie kommen vor allem in der Teepflanze vor, außerdem in kleineren Mengen in Kakao, Äpfeln, Weintrauben und Beeren. In Tee bilden sie die mit Abstand größte Gruppe der enthaltenen Polyphenole und prägen sowohl Geschmack als auch Farbe des Aufgusses.
Beschreibung
Unter dem Sammelbegriff „Catechine" verstecken sich genau genommen mehrere Verbindungen. Für Tee relevant sind vier: Epicatechin (EC), Epicatechingallat (ECG), Epigallocatechin (EGC) und Epigallocatechingallat (EGCG). Letzteres ist das mit Abstand am meisten erforschte und macht in gutem grünem Tee oft 50 bis 80 % des gesamten Catechingehalts aus. Catechine bilden dabei die dominierende Untergruppe der Flavonoide im Tee.
Wie viele Catechine am Ende in deiner Tasse landen, hängt stark von der Verarbeitung ab. Grüner Tee wird direkt nach der Ernte erhitzt – Dämpfen oder Rösten stoppt die Oxidation, bevor sie die Catechine großflächig umwandeln kann. Deshalb enthält grüner Tee oft über 10 % Catechine bezogen auf die Trockenmasse. Schwarzer Tee liegt meist nur bei 1 bis 12 %, weil ein Großteil der Catechine während der vollständigen Oxidation zu Theaflavinen und Thearubiginen umgebaut wird – neuen Polyphenolen, die für die dunkle Farbe und das kräftigere Aroma schwarzen Tees sorgen.
Auch die Zubereitung spielt eine Rolle: Catechine sind wasserlöslich und gehen beim Aufgießen direkt ins Wasser über. Weicheres Wasser unter 80 °C löst mehr davon als hartes, kochendes Wasser, das einen Teil der empfindlichen Moleküle zersetzt. Je länger ein Tee zieht, desto mehr Catechine landen in der Tasse – allerdings auch mehr Bitterkeit.
Catechine im Tee
Nicht jede Teesorte enthält gleich viele Catechine. Grüner und weißer Tee bleiben unoxidiert und behalten deshalb den Großteil ihrer ursprünglichen Catechine – sie gelten als besonders catechinreich, allen voran feine Sorten wie Sencha, Gyokuro oder Long Jing. Matcha sticht dabei besonders hervor: Weil du beim Matcha das komplette, fein gemahlene Blatt trinkst statt nur den Aufguss, nimmst du auch deutlich mehr Catechine auf als bei klassischem Aufgusstee.
Oolong liegt geschmacklich wie stofflich in der Mitte: Nur ein Teil der Catechine oxidiert, ein Teil bleibt erhalten. Schwarzer Tee durchläuft die vollständige Oxidation, Pu-Erh zusätzlich eine mikrobielle Fermentation – beide enthalten deutlich weniger ursprüngliche Catechine, dafür andere, durch die Verarbeitung neu entstandene Polyphenole.
Catechine und ihre Wirkung
Catechine zählen zu den am gründlichsten erforschten Pflanzenstoffen überhaupt – vor allem wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften. Studien untersuchen sie unter anderem im Zusammenhang mit dem Schutz von Zellen vor oxidativem Stress, mit Stoffwechselprozessen und mit einer normalen Herz-Kreislauf-Funktion – die Forschung dazu läuft jedoch noch, gesicherte Ergebnisse für den Menschen liegen bislang nicht vor. Viele dieser Untersuchungen arbeiten mit isolierten, hochdosierten Extrakten im Labor – die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf eine Tasse Tee im Alltag übertragen. Was sich aber sagen lässt: Wer regelmäßig grünen Tee oder Matcha trinkt, nimmt auf natürlichem Weg eine der catechinreichsten Zutaten überhaupt zu sich.
Geschichtliche Hintergründe
Der Name „Catechin" hat mit Tee ursprünglich gar nichts zu tun. Er stammt von „Catechu", dem gerbstoffreichen Extrakt der Gerber-Akazie (Acacia catechu), der seit Jahrhunderten in Süd- und Südostasien zum Gerben von Leder und Färben von Textilien genutzt wird. Als Chemiker:innen im 19. Jahrhundert die Inhaltsstoffe dieses Extrakts genauer untersuchten, isolierten sie eine bis dahin unbekannte Verbindung – und benannten sie nach ihrer Quelle: Catechin.
Erst später stellte sich heraus, dass strukturell verwandte Verbindungen auch in der Teepflanze stecken – und dort sogar die dominierende Polyphenol-Gruppe bilden. In Ostasien wusste man da längst um die besondere Wirkung von Tee, auch ohne die Chemie dahinter zu kennen: Schon vor Jahrhunderten wurde grüner Tee in China und Japan mit Vitalität und Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Erst mit moderner Analytik ab Mitte des 20. Jahrhunderts ließen sich Catechine im Tee präzise nachweisen und unterscheiden. Ab den 1990er-Jahren rückte insbesondere EGCG in den Fokus der internationalen Forschung – und wurde zu einem der meistuntersuchten Pflanzenstoffe weltweit.
Spannende Fakten
- Nicht aus Tee benannt: Der Name „Catechin" stammt von der Gerber-Akazie, nicht von der Teepflanze – eine Verwechslung, die sich bis heute hält.
- EGCG dominiert: In hochwertigem grünem Tee entfallen oft 50 bis 80 % des gesamten Catechingehalts allein auf EGCG.
- Matcha bringt am meisten mit: Weil das ganze Blatt konsumiert wird, liefert Matcha deutlich mehr Catechine als aufgegossener Tee derselben Menge Blattmaterial.
- Junge Blätter, mehr Catechine: Zart gepflückte First-Flush-Ernten enthalten meist die höchste Catechinkonzentration der Saison.
- Oxidation verändert, zerstört aber nicht: Auch stark oxidierte Tees wie Schwarztee enthalten noch Catechine – nur eben in umgewandelter Form als Theaflavine und Thearubigine.
- Catechine sind hitzeempfindlich: Kochend heißes Wasser kann einen Teil der Catechine zersetzen – ein Grund, warum sich für hochwertigen grünen Tee niedrigere Temperaturen empfehlen.
